In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz (KI) zum Betriebssystem der Verwaltung wird, rückt der technologische Unterbau in den Fokus. Open Source (OS) hat sich dabei von einer ideologischen Nische zur strategischen Notwendigkeit entwickelt. Zwei Säulen sind für diesen Wandel entscheidend: Die Transparenz öffentlicher Mittel und die dauerhafte Unabhängigkeit von Infrastruktur-Anbietern.
Public Money, Public Code: Ein Prinzip der Effizienz
Hinter der Initiative „Public Money, Public Code“ steht die Überzeugung, dass mit Steuergeldern finanzierte Software der Allgemeinheit zur Verfügung stehen sollte. Für die öffentliche Verwaltung bietet dieser Ansatz handfeste Vorteile:
- Nachnutzung ermöglichen: Einmal entwickelte Lösungen können über Repositorien wie Open CoDE oder durch das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität) geteilt werden. Das vermeidet kostspielige Doppelentwicklungen zwischen Kommunen und Ländern.
- Rechtssicherheit durch Standardlizenzen: Der Einsatz von Lizenzen wie der EUPL (European Union Public Licence) stellt sicher, dass Softwareprojekte flexibel angepasst und erweitert werden können, ohne rechtliche Grauzonen bei der Weitergabe zu schaffen.
Die Erfahrung zeigt, dass die Bereitschaft, Code offen zu legen, die Qualität der Entwicklung steigert – da die Lösungen von Beginn an auf Portabilität und Kooperation ausgelegt sind.
Vermeidung von Vendor Lock-in: Souveränität im KI-Zeitalter
In der Vergangenheit führten proprietäre Softwarelösungen oft zu einer engen Bindung an einzelne Anbieter. Im sensiblen Bereich der Künstlichen Intelligenz wiegt dieses Risiko besonders schwer. Ein „Vendor Lock-in“ schränkt nicht nur die technologische Flexibilität ein, sondern kann auch die Hoheit über sensible Daten gefährden.
Ein souveräner Ansatz setzt daher auf technologische Offenheit:
- Portabilität: KI-Anwendungen, die auf Open-Source-Modellen basieren, sind nicht an die Cloud-Infrastruktur eines einzelnen Herstellers gebunden. Sie können in der Bundes-Cloud, bei kommunalen IT-Dienstleistern oder in abgesicherten On-Premise-Umgebungen betrieben werden.
- Auditierbarkeit: Um das Vertrauen der Bürger in KI-gestützte Prozesse zu sichern, muss die Entscheidungsfindung nachvollziehbar sein. Open-Source-Code ist für Sicherheitsbehörden und Datenschutzbeauftragte prüfbar („White Box“), was die Compliance massiv erleichtert.
Fazit: Offenheit als strategischer Standard
Open Source ist im Kontext der Verwaltungsdigitalisierung mehr als ein technisches Detail; es ist die Voraussetzung für eine handlungsfähige und unabhängige digitale Infrastruktur. Wenn Fachverfahren und KI-Modelle auf offenen Standards basieren, sichert dies langfristig die Innovationskraft und die fiskalische Verantwortung des Staates.
Der Übergang zu diesen Modellen erfordert ein Umdenken in der Beschaffung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und IT-Partnern, die digitale Souveränität als gemeinsames Ziel verstehen.